Wie sehen wir das Kind?

Wie sehen wir die Entwicklung des Kindes?

Jedes Kind ist für uns einmalig und Akteur seiner eigenen Entwicklung.

Diese Vorstellung taucht bereits seit ROUSSEAU auf, zuerst sporadisch, bis sie von M. MONTESSORI konsequent in pädagogisches Handeln umgesetzt wird. So geht Montessori davon aus, dass jedes Kind den Willen und die Kraft in sich trägt, die eigene Entwicklung durch eigene Aktivität zu vollziehen, und durch eine entsprechend vorbereitete Umgebung ist das Kind in der Lage, seinen Bauplan zu entrollen. (vgl. Literaturangaben am Ende)

PIAGET hat diese These durch langjähriges und intensives Protokollieren des kindlichen Aufwachsens wissenschaftlich begründet in seiner "Theorie der geistigen Entwicklung". (KOHLBERG parallel hierzu die "Entwicklung des moralischen Urteils").
Das Kind hat von Geburt an das Bedürfnis, sich die Welt aktiv anzueignen, selbst tätig zu werden.

Die beherrschenden Verhaltensimpulse des Kleinkindes sind Erkunden, Wissbegierde, Nachahmen und produktive Phantasie (alle zusammengefasst sind sie im so genannten "freien Spiel" erlebbar). So unterschiedlich diese Verhaltensweisen auch sind, sie zielen auf etwas Gemeinsames: auf die zunehmende Selbstständigkeit des Kindes. Alle lassen sich sowohl als angeborene als auch übernommene Strategien des Erfahrungs- und Wissenserwerbs (= Lernens) zusammenfassen.

Nichts spornt den Erwerb von Können und Wissen mehr an, als sich aus eigener Initiative und in Eigenaktivität einem als sinnvoll empfundenen Vorhaben hinzugeben, bei dem man einen sichtbaren Erfolg anstreben und das Ergebnis vor Augen sehen und mit Händen greifen sowie intellektuell erleben kann.

In einer fremden Umgebung, wie es das KinderLernHaus zunächst für das Kind ist, wird es die neue Umgebung erforschen und so seine natürliche Neugier befriedigen. Teilweise und schrittweise nimmt jedes Kind dann beobachtend und auch aktiv am Gruppengeschehen teil. Jedes Kind wird auf diese Weise Tätigkeiten und Kontakte für sich wählen, die seinem eigenem Entwicklungsstand (Wissen, Fähigkeiten, Können) entsprechen ... zu dem Zeitpunkt, an dem das Kind hierfür bereit ist.

Für all dies ist das Kind angewiesen auf die Gewissheit, dass - wie zu Hause - auch im KinderLernHaus jemand Schutz gibt, der aber auch Freiheit lässt, sich der neuen Umwelt zuzuwenden, und der das Streben nach Selbsttätigkeit unterstützt. Eltern und Erzieherinnen müssen daher soweit loslassen, wie es dem Bauplan des Kindes entsprechend notwendig ist und wie sie dem Bauplan des Kindes vertrauen. Ihre Aufgabe ist es, die Umgebung anregend und hilfreich zu gestalten und immer als Bezugsperson zur Seite zu stehen, um dem Kind Sicherheit zu geben.