Das Freispiel / Freiarbeit

Das Freispiel und die Freiarbeit haben bei uns einen großen Stellenwert und nehmen viel Raum ein. Die Kinder können während dieser Zeit Ort, Material, Spielpartner und Spieldauer selbst bestimmen. Dies bedeutet, dass sich das Kind der Herausforderung stellen muss, selbst aktiv zu werden. Lust, Neues zu entdecken und Erfahrungen zu sammeln, Konzentration und Ausdauer werden auf diese Weise vom Kind erlebt. Die Kinder suchen sich in der Regel die Tätigkeiten heraus, die ihrem augenblicklichen Entwicklungsstand entsprechen, versuchen den Schwierigkeitsstand zu finden, den sie bewältigen können und möchten. Dies entwickelt und stärkt eine Lebensmotivation, die Grundlage den selbstständigen Menschen zu charakterisieren und lebenslange Lernmotivation zu ermöglichen.

Das bedeutet in der Praxis:

  • Bewegungsräume anzubieten, um differenzierte grob- und feinmotorische Bewegungsabläufe zu ermöglichen;
  • Unbeobachtete Spielzonen einzurichten, damit die verschiedenen sozialen Bedürfnisse (allein oder gemeinsam mit anderen, aktiv oder sich zurückziehend) wirklich gelebt werden können.
  • Lernmaterial zu erstellen, das Anreiz bietet und herausfordert, neue Fähigkeiten, Fertigkeiten und Wissen zu erwerben. Erst eine bewusst vorbereitete Umgebung ermöglicht es den Kindern, ihren individuellen Weg zur Selbstständigkeit zu gehen. Immer ist uns die persönliche Entwicklung der Kinder wichtiger als der Erwerb von Fachwissen. Entscheidungskraft, Intelligenz, Kreativität und soziales Handeln entwickeln sich naturgegeben, wenn die Umgebung dies nicht verhindert.
  • Während dieser Freiarbeitszeit können die Kinder mit anderen oder auch alleine frühstücken und sich ausruhen. Wir überlassen es den Kindern, wann und mit wem sie Pause machen. Das gleitende Frühstück entspricht aller Erfahrung nach meistens eher den sehr unterschiedlichen Starts in den Tag. Auch ermöglicht es mehr Kontakte, da der Kreis der Frühstückenden überschaubar bleibt.

Während der gesamten Zeit des freien Arbeitens können die Kinder vielen verschiedenen Tätigkeiten nachgehen:

  • Das Spielen im Garten versuchen wir jederzeit zu ermöglichen. Nicht nur der größere Bewegungsraum und die "gute Luft" locken, sondern wir wollen auch "richtig" arbeiten, das bedeutet zum Beispiel einen eigenen Gemüsegarten anzulegen, zu pflegen und die Früchte dieser Arbeit zu ernten... .
  • Malen, Basteln, Weben, Sticken, Modellieren, Backen, Kochen, Bauen, Konstruieren, Experimentieren, Puppen, Verkleiden, Regelspiele - Pädagogen sind hierbei nur beteiligt, indem sie versuchen, gerade so viel Anleitung und Hilfe zu geben, wie es die jeweilige Situation erfordert.
  • Auch sind jederzeit Aktivitäten möglich, die Montessori Tätigkeiten des "täglichen Lebens" nennt: Blumen- und Zimmerpflege, Briefkasten, Küche ...
  • Ein Zahlenraum bietet Erfahrungen, Experimentieren in der „Welt der Zahl“ an. Hier können auch die Grundrechenarten kennen gelernt und geometrische Kompetenzen erworben werden.
  • Ein Buchstabenraum bietet erste Begegnungen und Erfahrungen wie auch Experimente in der „Welt der Buchstaben“ an. Ebenso kann hier Schreiben und Lesen gelernt werden. Details zu Aktivitäten in diesen beiden Räumen finden Sie weiter unten, unter dem Stichwort „Raumgestaltung“ und „Schule/Noten“
  • Vielfach entwickeln sich aus Fragen und Interessen einzelner Kinder (aller Altersstufen) Themen, die uns in einer größeren Gruppe und über längere Zeit beschäftigen.
  • Wir fragen weiter und suchen nach Antworten, sammeln Erfahrungen, experimentieren, befragen Experten und erwerben Wissen durch Zusammenarbeit.
  • Eine solche "Projektarbeit" beantwortet die ganz persönlichen Interessen der beteiligten Kinder. Sie können ihren spezifischen Jetzt-Problemen nachgehen. Das bedeutet, dass nie alle Kinder das gleiche Thema "brauchen", denn Entstehung und Gestaltung des jeweiligen Projekts entstehen im praktischen Tun. Wir Pädagogen stellen entsprechendes Material bereit oder helfen bei der Suche nach Antworten und sind mit unserer eigenen Neugier dabei.
  • Gleichgewichtig sollen Erlebnisse mit Natur sowie mit unserer technischen Umwelt möglich sein (draußen die Natur erkunden, Besuche bei Institutionen, Läden, Industriebetrieben, Exkursionen in Stadtteile).

Vorbereitete Umgebung

Steckt nicht gerade in einer Pädagogik der angeleiteten Beschäftigung eine Erziehung zum Konsum, fragen wir uns. Denn je mehr wir die Kinder anleiten, umso mehr wird sich ihr Handeln darauf beschränken, Anweisungen ohne eigenes Denken und Wollen zu befolgen. Als Folge kann die Bereitschaft zu selbstständiger Aktivität versiegen, die Kinder werden passiv und zu einer latenten Haltung des Konsumierens geführt (vgl. Fernsehen).

Wir wollen dagegen spontane kindliche Aktivität ermöglichen und fördern. Wir wollen: die Umgebung der Kinder anregend und herausfordernd gestalten, selbst Teil dieser Umgebung sein und ... wir wollen keine Anleitungspädagogik. Das bedeutet: die Kinder können ihr (Zusammen-)Spiel und ihre Lernarbeit selbst bestimmen - unterstützt durch eine vorbereitete Umgebung. Grenzen ergeben sich allein durch das Zusammensein mit anderen Menschen.

Für die Vorbereitung einer entsprechenden Umgebung ist die Beobachtung der Kinder, ihrer individuellen Fragen, ihres Suchens und ihrer Antworten von zentraler Bedeutung. Bei der Suche nach Problemlösungen wollen wir jedem einzelnen Kind helfen – mit Anregungen in seiner Umwelt (zu der v.A. auch die Person der PädagogInnen gehört) und durch Unterstützung, wenn die Kinder Hilfe suchen.

Das Material soll Neugier und Entdeckungslust wecken, dabei ist "weniger oft mehr". Nicht ein übervolles Regal an Möglichkeiten "zum Tun" ist für uns entscheidend, sondern eine liebevolle und ästhetisch anregende Gestaltung, die Phantasie und Kreativität geradezu herausfordert. Wir wollen sowohl zur Eigenaktivität (kognitiv wie motorisch!) reizen, und ebenso zu wertschätzendem und verantwortungsbewusstem Umgang motivieren. Naturmaterialien (Primärerfahrungen und Anschauung) und Mobilität allen Materials/ Möbel sind für uns sehr wichtig, denn Räume und Material sind "Besitz" der Kinder: ihre Mitgestaltung ist Grundlage für unser Zusammensein.

Gruppen/Klassen Zusammenarbeit

Am Anfang, in der Mitte und am Ende des Tages ermöglichen und regen wir gemeinsame Treffen in größeren Gruppen (teilweise entsprechender Altersgruppen) aller Kinder und Erwachsenen an. Die Begrüßung am Morgen, wenn alle angekommen sind, das Mittagessen und ein Verabschieden sind strukturierende Elemente, die ein Begegnen untereinander unterstützen. Gleichzeitig werden bei diesen Begegnungen auch Absprachen hinsichtlich gemeinsamer Aktivitäten getroffen, Regeln besprochen und natürlich .... gemeinsam gefeiert. Hier können einzelne Kinder ihre Erlebnisse, Werke oder Erkenntnisse der Gemeinschaft präsentieren. Wenn das Versammeln aller Kinder, die im KinderLernHaus leben, wenig sinnvoll ist (zu großer Altersunterschied, unterschiedliche Interessen u. Ä.), bilden wir jeweils passende Gruppen ... entsprechend dessen, was die Gruppe gemeinsam tun will. Für eine Geburtstagsfeier bestimmt das Geburtstagskind, wer mitfeiert, für das Besprechen von Regeln trifft sich die jeweils betroffene Altersgruppe und für das Planen eines Ausflugs oder Projekts versammeln sich die interessierten Kinder.

Die Zahl 25 oder mehr (Kinder pro Gruppe/Klasse) halten wir dabei für zu groß, um ein echtes Gruppengefühl zu stärken. Anlass und Entwicklungsstand der Kinder sind unser Maßstab für die Größe eines jeden Treffens. Für die Kinder versuchen wir ein Interesse an und ein Mittun in der Gruppe zu wecken und zu ermöglichen, das den Kindern, aber auch den Erwachsenen eher entspricht: Das Spiel alleine, zu zweit, zu dritt oder in der Klein- oder Interessens-Gruppe (z.B. unsere FußballerInnen oder DichterInnen). In Spiel- und Lerngruppen können die Kinder Geborgenheit erfahren.

Jedes Kind hat von Beginn an zwei Erwachsene (ErzieherInnen und LehrerInnen sind hier gleichrangig) als Ansprech- und Bezugspersonen. Diese Pädagogen fühlen sich für dieses Kind „zuständig“, d.h. sie führen alle Beobachtungen, Gespräche und Aktivitäten, die dieses Kind betreffen, zusammen. Natürlich können die Kinder ebenfalls zu allen Zeitpunkten auch mit anderen Erwachsenen im KinderLernHaus Kontakt aufnehmen.